2.2.3. Investitionsentscheidung

 

Investitionsentscheidungen werden mit der Investitionsrechnung vorbereitet. Hierin wird der wirtschaftliche Erfolg einer Investition vereinfacht simuliert. Dafür wird zwischen 8 Methoden unterschieden, die sich in die statischen und die dynamischen Verfahren gliedern.

  

Beide Gruppen müssen mit dem Problem umgehen, dass für die Anschaffung eine einmalige Ausgabe anfällt und später laufende Einnahmen und Ausgaben über die ganze Nutzungsdauer anfallen. Ein möglicher Restwert am Ende der Nutzungsdauer wäre auch ein einmaliger Betrag. Es sind auch negative Restwerte vorstellbar, wenn Kosten für die Entsorgung anfallen.

 

Abb. 8: Verfahren der Investitionsrechnung

                                                     statische Verfahren:                                                                                                        dynamische Verfahren:

(Quelle: W. Müller, Investitionsrechnung, Finanzplanung, Finanzinstrumente, Norderstedt 2011, S. )

 

Die verschiedenen Methoden sollen eine Rangfolge der verschiedenen Alternativen festlegen. Sie wirken nicht gegeneinander sondern miteinander. Werden mehrere Alternativen für eine Investitionsentscheidung nach allen Methoden bewertet und kommen alle zum gleichen Ergebnis, dürfte die Entscheidung eindeutig sein. Kommen verschiedene Methoden zu unterschiedlichen Ergebnissen ist die Entscheidung knapp.

 

Von den Methoden der Investitionsrechnung müssen Verprobungsmethoden unterschieden werden. Sie sollen die Entscheidungen absichern und feststellen, wie wahrscheinlich es wäre, dass bei einem etwas veränderten Sachverhalt (z.B. höhere oder geringere Auslastung als angenommen) eine andere Entscheidung vorgeschlagen würde.

 

  

2.2.3.1. statische Verfahren

 

Die statischen Verfahren lösen das Problem der nicht bestehenden Vergleichbarkeit von einmaligen und laufenden Beträgen mit der Periodisierung durch Abschreibungen und Zinsen (Zeitpunkt ==> Zeitraum), was die Abbildung auf der folgenden Seite darstellt.

  

Der Erfolg der Investition wird für eine fiktive durchschnittliche Periode mit einer durchschnittlichen Auslastung dargestellt, für die Abschreibungen und Zinsen auf Basis einer durchschnittlichen Kapitalbindung ermittelt werden. Gegenstand der Betrachtung sind Kosten und Leistungen. Wenn insbesondere für Investitionen im Gemeinkostenbereich keine Erträge zurechenbar sind kann der Vergleich eigentlich nur auf der Basis eines Kostenvergleichs erfolgen.

 

Abb. 9: Logik der statischen Verfahren der Investitionsrechnung

(Quelle: eigene Darstellung)

  

Der Kostenvergleich setzt voraus, dass Erträge der Investition nicht entscheidungsrelevant sind. Das ist der Fall, wenn sie bei allen zu beurteilenden Alternativen gleich hoch oder nicht feststellbar sind, z.B. im Gemeinkostenbereich. Der Rentabilitätsvergleich berücksichtigt, dass der Erfolg einer Investition nicht absolut, sondern in Relation zum eingesetzten Kapital beurteilt werden sollte.

  

Die statischen Methoden können meistens mit einer Verprobung abgesichert werden. Damit kann beurteilt werden, ob bei einer anderen Auslastung mit einer anderen Reihenfolge der Ergebnisse zu rechnen ist.

 

 

2.2.3.2. dynamische Verfahren

  

Die dynamischen Verfahren gehen den umgekehrten Weg wie die statischen (Zeitraum ==> Zeitpunkt). Die laufenden Einnahmen und Ausgaben der Perioden werden auf den Zeitpunkt der Investition kapitalisiert. Der abgezinste Restwert wird hinzugerechnet, bzw. Entsorgungskosten abgezogen. Der Barwert der Einnahmeüberschüsse abzüglich der Anschaffungskosten ergibt den Kapitalwert, was folgende Grafik in Abgrenzung zu den statischen Verfahren darstellt:

  

Abb. 10: Logik der dynamischen Verfahren der Investitionsrechnung

(Quelle: eigene Darstellung)

 

Die Kapitalwertmethode ist damit das zentrale Verfahren, auf dem die übrigen Methoden aufbauen. Die Annuitätenmethode rechnet den Wert auf den Zeitpunkt wieder auf einen periodisierten Wert um. Das kann sinnvoll sein, wenn Alternativen mit einer unterschiedlichen Nutzungsdauer vergleichen werden, denn eine längere Nutzungsdauer würde mehr Einnahmeüberschüsse erwirtschaften und damit zu einem höheren Kapitalwert füren. Es würde aber nicht berücksichtigt, dass nach einer kürzeren Nutzungsdauer vermutlich eine erfolgen würde, die wieder Einnahmeüberschüsse erwirtschaften würde. Die Interne-Zinsfuß-Methode ermittelt keinen absoluten Betrag sondern die Verzinsung der Investition, und ist mit dem Rentabilitätsvergleich in den statischen Verfahren vergleichbar.

  

Der Amortisationsvergleich ermittelt in seiner statischen wie in der dynamischen Variante keinen Betrag sondern einen Zeitraum, in dem sich die Investition auszahlt, also amortisiert wird. Kürzere Zeiträume sind günstiger als längere.

 

 

2.2.3.3. weiche Faktoren

 

An der Investitionsrechnung wird gelegentlich kritisiert, dass nur der monetäre Nutzen der Investition bewertet wird. Häufig liegen aber auch andere Motive vor, die nicht eindeutig in Geldeinheiten bewertet werden können, z.B. Umweltschutzmaßnahmen. Wenn mehr als die gesetzlichen Vorgaben umgesetzt werden sollen dann kann das den wirtschaftlichen Grund haben, dass man auch erwarteten strengeren Vorgaben der Zukunft schon genügen und eine zukünftige Investition einsparen will. Es können aber auch Imagegründe dafür sprechen. Auch bei vielen anderen Maßnahmen kann ein wirtschaftlicher Nutzen oft nur schwer bewertet werden.

  

Eine Möglichkeit, solche weichen Faktoren in die Investitionsentscheidung einzubeziehen, ist die Nutzwertanalyse. Dabei werden die für die Entscheidung wichtigen Kriterien und ihre Gewichtung zunächst festgelegt. In einem zweiten Schritt muss geklärt werden, wie diese verschiedenen Kriterien gemessen werden können. Damit müssen sie mit einer gemeinsame Punkteskala gemessen werden. In einem dritten Schritt werden die verschiedenen zur Auswahl stehenden Alternativen hinsichtlich der Erfüllung der weichen Kriterien bewertet und dafür ein Punktewert ermittelt.

  

Die Nutzwertanalyse arbeitet in allen drei Stufen mit Schätzungen, versucht aber, sie weniger willkürlich vorzunehmen. Die Vorgehensweise ist auch auf andere Entscheidungen übertragbar. So könnten z.B. ein einer Stellenbesetzung die Anforderungen an die Stelle und die Bewertung der Bewerber nach einem ähnlichen Muster erfolgen.

 

 

2.2.2.4. Weitere Informationen