3.6.9. Finanzplanung und Finanzierung

 

Die Aufgabe der Finanzierung ist, den Güter-Geld-Kreislauf aus der betrieblichen Wertschöpfung in Gang zu halten. Die Darstellung der Zahlungsströme für die Periode (Kapitalflussrechnung) i.S.v. IAS 1.10 und IAS 7 (vgl. 3.6.3.) gliedert sich in die Cashflows aus operativer Tätigkeit, Investitionstätigkeit und Finanzierungstätigkeit. Der operative Cashflow bildet die Innenfinanzierung ab während der Finanzierungs-Cashflow nur die Außenfinenzierung abbildet. Der operative Cashflow ist wegen der Abschreibungen auch bei Verlusten positiv. Er wird verwendet, um die Zahlungsabflüsse aus Investitionen mindestens teilweise zu decken. Der Rest kommt aus der Außenfinanzierung. Bei geringen Investitionen ist der operative Cashflow größer und kann für die Schuldentilgung eingesetzt werden. Die Abb. 1 kann vor diesem Hintergrund wie folgt abgeändert werden: 

  

Abb. 34: Güter-Geld-Kreislauf

 (Quelle: eigene Darstellung)

  

Wenn man die Innen- und Außenfinanzierung zusätzlich nach der Herkunft des Kapital in Eigen- (mit Eigenkapital) und Fremdfinanzierung (mit Fremdkapital) differenziert, erhält man folgende Matrix:

 

Abb. 35: Innen-und Außen-/Eigen- und Fremdfinanzierung

 

Eigenfinanzierung

Fremdfinanzierung

Innenfinanzierung

einbehaltene Gewinne

Finanzierung durch Rückstellungen

Außenfinanzierung

Beteiligungsfinanzierung

Darlehensfinanzierung

 
   

(Quelle: eigene Darstellung)

  

Die Außenfinanzierung verursacht Kosten. Deshalb ist vor dem Einsatz von Finanzinstrumenten zu klären, in welchem Umfang und wie lange ihr Einsatz nötig ist. Hierfür kommt die Finanzplanung zum Einsatz. Dabei ist zwischen einer strategischen Finanzplanung (langfristig), einer operativen Finanzplanung (nächstes und übernächstes Jahr) sowie dem Cash Management (die nächsten 6 Wochen) zu unterscheiden. Weil Investitionen langCash Management wird eine aktualisierte operative Finanzplanung auf einzelne Tage heruntergebrochen um spätestens jetzt noch Lücken erkennen und rehctzeitig schließen zu können. Damit kann der Umfang von Liquiditätspuffern reduziert werden, was Kosten einspart.

  

Die operative Finanzplanung baut nach folgender Logik auf den im Investor Relations bzw. Reporting ermittelten Cashflows (Kapitalflussrechnung) sowie auf der Erfolgsplanung auf:

  

Abb. 36: Logik der operativen Finanzplanung

(Quelle: eigene Darstellung)

  

Wie die Erfolgsplanung sollte auch die Finanzplanung etwa alle 3 Monate überprüft und aktualisiert werden sollte. Auf 3.6.7. Unternehmensplanung wird verwiesen.

  

Die Kosten der Außenfinanzierung werden als Zinsen ausgedrückt. Nebenkosten müssen dafür ggf. umgerechnet werden. Die Zinshöhe ist abhängig von der Laufzeit, dem Risiko und Geldpolitik, die wiederum auf die Entwicklung der Inflationsrate reagiert. Weil Finanzierungsentscheidungen für längere Zeiträume gefällt werden ist eine Einschätzung zukünftiger Zinssätze wichtig. So kann auch eine kurzfristige Finanzierung langfristiger Investitionen sinnvoll sein, wenn mit fallenden Zinsen gerechnet wird. Bei aktuell niedrigen Zinsen, die nicht mehr weiter fallen können, werden lange Laufzeiten angestrebt.

 

Die einsetzbaren Finanzinstrumente können mit der Einteilung lt. Abb. 35 nicht vollständig zugeordnet werden. Manchmal können Innen- oder Außenfinanzierung, Eigen- oder Fremdkapital nicht eindeutig zugeordnet werden. Deshalb ist eine Erweiterung in eine Neun-Felder-Matrix nach folgendem Muster sinnvoll:

  

Abb. 37: Neun-Felder-Matrix für Finanzinstrumente  

 

Eigenfinanzierung

Mischformen

Fremdfinanzierung

Innenfinanzierung

einbehaltene Gewinne

Factoring

Finanzierung durch Rückstellungen

Zwischenformen

Gratisaktien

Derrivate

Leasing

Außenfinanzierung

Beteiligungs-finanzierung

Mezzanine-Kapital, Asset-Backes-Securities

Darlehensfinanzierung

 
   

(Quelle: eigene Darstellung)