3.6.2. Konzernrechnungswesen

  

Konzerne sind Gruppen von rechtlich selbständigen Unternehmen, die unter einer gemeinsamen Leitung eine wirtschaftliche Einheit bilden. Buchführungspflichtig ist aber die rechtliche Einheit „Unternehmen“. Nach § 290 HGB müssen Konzerne einen Konzernabschluss aufstellen, der aber mangels Konzernbuchhaltung nicht auf einer Buchhaltung sondern auf Einzelabschlüssen beruhen kann. Der Datenfluss sieht also wie folgt aus:

Abb. 24: Datenfluss im Konzernabschluss

 Quelle: W. Müller, der Konzernabschluss nach IFRS, 2. Aufl., Aachen 2005, S. 51

  

Das Konzernrechnungswesen kann auch eine Konzernkostenrechnung beinhalten, wenn z.B. ein Produkt in mehreren Konzernunternehmen hergestellt werden. Wenn sie in verschiedenen Ländern liegen kann die Konzernkostenrechnung zur Dokumentation der Angemessenheit der Konzernverrechnungspreise nach § 1 Abs 1 Satz 1 AStG sinnvoll sein.

 

Nach § 297 Abs. 3 Satz 1 HGB ist im Konzernabschluß die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der einbezogenen Unternehmen so darzustellen, als ob diese Unternehmen insgesamt ein einziges Unternehmen wären. Forderungen und Verbindlichkeiten dürfen nur ausgewiesen werden, sofern sie gegenüber konzernfremden Unternehmen bestehen. Konzernintern sind solche Positionen aus dem Konzernabschluss zu entfernen. Das gleiche gilt für Erträge, die bei einem anderen Konzernunternehmen Aufwand waren. Führt die Leistung eines Konzernunternehmens bei einem anderen zu einem Vermögenswert, so ist dieser mit den Konzernanschaffungs- oder -herstellungskosten zu bewerten. Umsatz und Aufwand beim Lieferanten und Anschaffungskosten beim Käufer sind zu berichtigen und der aus Konzernsicht noch nicht realisierte Gewinn ist zu entfernen. Auch die Beteiligung des Mutterunternehmens und das Eigenkapital der Tochter sind gegeneinander herauszulösen. Das erfordert eine Konzernkonsolidierung, die wie folgt abläuft:

 

Abb. 25: Der Konsolidierungsprozess

 Quelle: W. Müller, der Konzernabschluss nach IFRS, 2. Aufl., Aachen 2005, S. 53

 

Die Erstellung eines Konzernabschlusses ohne eine EDV-gestützte Konzernbuchhaltung mit ihren Auswertungstools ist aufwendig und fehleranfällig. Zudem müssten die Konzernabschlüsse von Wirtschaftsprüfern geprüft werden. Das geht nicht ohne Einbeziehung der Tochtergesellschaften, so dass praktisch die Handelsbilanzen II in jedem Konzernunternehmen geprüft werden müssen, was einen erheblichen Aufwand darstellt. Große Konzerne sind deshalb bestrebt, Aufwand und Fehler durch Technikeinsatz zu minimieren und eine Konzernbuchhaltung aufzubauen. Sie ermöglicht eine sinnvolle Zentralisierung des Konzernabschlusses, bei der die Konzernzentrale alle Informationen erhält und die Konzernunternehmen mit ihren Anteilen zum Konzernabschluss nicht überfordert werden. Bereits 2005 hat der Verfasser dieses System vorgestellt:  

 
Abb. 26: Grundstruktur der Konzernbuchhaltung

Erläuterungen:
(1) In der regulären Buchhaltung werden alle Belege erfasst.
(2) Der Buchhaltungsdatenbestand bildet die Grundlage für die Erstellung des Einzelabschlusses.
(3) Die laufend erfassten Buchungen werden i.d.R. einmal monatlich in einen zweiten Datenbestand kopiert. Die Datenübertragung kann mit einem sog. „DATEV-Modul“ erfolgen, in dem eine zweite Konto-Nr. hinterlegt werden kann. Damit kann ein konzerneinheitlicher Kontenplan für den Konzernabschluss verwendet werden, wobei im Einzelabschluss die Konzernunternehmen ihren lokalen Kontenplan weiter verwenden können. Dies ist besonders in Ländern wie Frankreich, Belgien oder Spanien erforderlich, die ihren Unternehmen einen obligatorischen Kontenrahmen vorschreiben.
(4) Nach jeder Datenübertragung oder in regelmäßigen Abständen muss eine Kontenpflege erfolgen, bei der von den Standards des Konzernabschlusses oder von konzerneinheitlichen Richtlinien abweichende Buchungen korrigiert werden.
(5) Dieser Datenbestand bildet die Grundlage für die Handelsbilanz II. Sie wird wie der Einzelabschluss automatisch aus den Konten erstellt.
(6) Zu Abschlussterminen (i.d.R. Quartale) werden die aktualisierten Daten an die Konzernzentrale übertragen. Meistens wird diese Übertragung auf Summen und Salden der einzelnen Monate nach dem Konzernkontenrahmen beschränkt. Im Buchungstext, in der Beleg-Nr. oder als Kostenstelle wird das übertragende Unternehmen registriert. Alle Konzernunternehmen werden dann in einen gemeinsamen Datenbestand in der Konzernzentrale eingelesen. Die Kostenstelle als Identifikation des Konzernunternehmens hat dann den Vorteil, dass die Konzernzentrale die Handelsbilanzen II jedes Konzernunternehmens über das Kostenstellenmodul reproduzieren kann, was häufig Rückfragen beim Konzernunternehmen erspart.
(7) Konsolidierungen im engeren Sinne (vgl. Kapitel 4 + 5) werden in der Konzernzentrale als Korrekturbuchungen erfasst. Die Buchungsbelege können dabei auch nach der Logik der Eliminierungsmethode erstellt werden, indem jedes Konzernunternehmen über das Identifikationsmerkmal konzerninterner Transaktionen Reports erstellt, welche konzerninternen Buchungen in welchen Konten der Handelsbilanz II enthalten sind.
(8) Die Konzernbuchhaltung ist nach der Erfassung der Konsolidierungsbuchungen die Grundlage für den Konzernabschluss. Er wird wie der Einzelabschluss automatisch aus den Konten erstellt.


Quelle: W. Müller, der Konzernabschluss nach IFRS, 2. Aufl., Aachen 2005, S. 61 ff.

 

 

3.6.3. Investor Relations + IFRS


Investor Relations mag für mittelständische Unternehmen übertrieben klingen, denn in kapitalmarktorientierten Aktiengesellschaften wird hierunter die Erfüllung gesetzlicher Veröffentlichungspflichten und generell die Kommunikation mit dem Kapitalmarkt verstanden. Dazu zählen auch Veröffentlichungen auf der eigenen Webseite. Weiter ausgelegt kann hier die gesamte Kommunikation mit Eigenkapitalgebern und Banken verstanden werden, die heutzutage mehr Informationen als Jahresabschlüsse wollen. Für Konzernabschlüsse kapitalmarktorientierter Muttergesellschaften sind nach Artikel 4 der Verordnung (EG) Nr. 1606/2002 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 19. Juli 2002 in der jeweils geltenden Fassung, die nach den Artikeln 2, 3 und 6 der genannten Verordnung übernommenen International Financial Accounting Standards (IFRS)  anzuwenden. Sie sind vom deutschen Konzernabschluss nach HGB befreit. (vgl. § 315a HGB) Dieses Regelwerk strahlt materiell auch auf Unternehmen aus, die ihnen nicht unterliegen. Ein vollständiger IFRS-Abschluss besteht nach IAS 1.10 aus:


- einer Darstellung der Vermögenslage zum Ende der Periode  (Bilanz) 
- einer Gesamtergebnisrechnung für die Periode (oder eine Gewinn- und Verlustrechnung sowie eine Darstellung des sonstigen

  Gesamteinkommens)
- einer Darstellung über die Eigenkapitaländerungen für die Periode
- einer Darstellung der Zahlungsströme für die Periode  (Kapitalflussrechnung)
- einem Anhang, in dem die wesentlichen Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden zusammengefasst und sonstige Erläuterungen

  enthalten sind.

 

Nach IFRS 8 Geschäftssegmente haben bestimmte Unternehmen (im wesentlichen Unternehmen, deren Anteile öffentlich gehandelt werden) Angaben zu ihren Geschäftssegmenten, Produkten und Dienstleistungen. geografischen Gebieten, in denen sie tätig sind, und wesentlichen Kunden zu leisten. Die Informationen basieren bezüglich der Abgrenzung der Geschäftssegmente und der Bewertung auf internen Managementberichten.

Die IFRS folgen dem angelsächsischen Rechssystem des Case Law. In den Standards werden Einzelthemen behandelt und in den Interpretationen werden diese konkretisiert. Folgende IFRS sind derzeit in Kraft:


Abb. 27: Standards

Nr.

Titel (Englisch)

Thema (Deutsch)

IAS 1

Presentation of Financial Statements (1997)

Darstellung des Abschlusses

IAS 2

Inventories (1993)

Vorräte

IAS 7

Statement of Cash Flows (2007)

Kapitalflussrechnungen

IAS 8

Accounting Policies, Changes in Accounting Estimates and Errors (2003)

Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, Änderungen von Schätzungen und Fehler

IAS 10

Events after the Reporting Period (2007)

Ereignisse nach dem Bilanzstichtag

IAS 11

Construction Contracts (1993)

Fertigungsaufträge

IAS 12

Income Taxes (1996)

Ertragsteuern

IAS 16

Property, Plant and Equipment (1993)

Sachanlagen

IAS 18

Revenue (1993)

Erträge

IAS 19

Employee Benefits (1998)

Leistungen an Arbeitnehmer

IAS 20

Accounting for Government Grants and Disclosure of Government Assistance

Bilanzierung und Darstellung von Zuwendungen der öffentlichen Hand

IAS 21

The Effects of Changes in Foreign Exchange Rates (1993)

Auswirkungen von Änderungen der Wechselkurse

IAS 23

Borrowing Costs (1993)

Fremdkapitalkosten

IAS 24

Related Party Disclosures

Angaben über Beziehungen zu nahestehenden Unternehmen und Personen

IAS 26

Accounting and Reporting by Retirement Benefit Plans

Bilanzierung und Berichterstattung von Altersversorgungsplänen

IAS 27

Consolidated and Separate Financial Statements (2003)

Separate Financial Statements (2011)

Konzern- und separate Einzelabschlüsse nach IFRS (2003)

Separate Abschlüsse (2011)

IAS 28

Investments in Associates and Joint Ventures (2011)

Anteile an assoziierten Unternehmen und Joint Ventures

IAS 29

Financial Reporting in Hyperinflationary Economies

Rechnungslegung in Hochinflationsländern

IAS 32

Financial Instruments: Disclosure and Presentation (1995)

Financial Instruments: Presentation (2005)

Finanzinstrumente: Angaben und Darstellung (1995)

Finanzinstrumente: Darstellung (2005)

IAS 33

Earnings per Share

Ergebnis je Aktie

IAS 34

Interim Financial Reporting

Zwischenberichterstattung

IAS 36

Impairment of Assets

Wertminderung von Vermögenswerten

IAS 38

Intangible Assets

Immaterielle Vermögenswerte

IAS 39

Financial Instruments: Recognition and Measurement

Finanzinstrumente: Ansatz und Bewertung

IAS 40

Investment Property

Als Finanzinvestition gehaltene Immobilien

IAS 41

Agriculture

Landwirtschaft

IFRS 1

First-time Adoption of International Financial Reporting Standards

Erstmalige Anwendung der International Financial Reporting Standards

IFRS 2

Share-based Payment

Aktienbasierte Vergütung

IFRS 3

Business Combinations

Unternehmenszusammenschlüsse

IFRS 4

Insurance Contracts

Versicherungsverträge

IFRS 5

Non-current Assets Held for Sale and Discontinued

Operations

Zur Veräußerung gehaltene langfristige Vermögenswerte und

aufgegebene Geschäftsbereiche

IFRS 6

Exploration for and Evaluation of Mineral Resources

Exploration und Evaluierung von mineralischen Ressourcen

IFRS 7

Financial Instruments: Disclosures

Finanzinstrumente: Angaben

IFRS 8

Operating Segments

Operative Segmente

IFRS 9

Financial Instruments

Finanzinstrumente

IFRS 10

Consolidated Financial Statements

Konzernabschlüsse

IFRS 11

Joint Arrangements

Gemeinsame Vereinbarungen

IFRS 12

Disclosure of Interests in Other Entities

Angaben über das Engagement bei anderen Unternehmen

IFRS 13

Fair Value Measurement

Bemessung des beizulegenden Zeitwerts

IFRS 14

Regulatory Deferral Accounts

Regulatorische Abgrenzungsposten

IFRS 15

Revenue from Contracts with Customers

Erlöse aus Verträgen mit Kunden

IFRS 16

Leases

Leasingverhältnisse

 
   

Abb. 28: Interpretationen

Nr.

Titel (Englisch)

Thema (Deutsch)

SIC 7

Introduction of the Euro

Einführung des Euro

SIC 10

Government Assistance - No Specific Relation to Operating Activities

Beihilfen der öffentlichen Hand – Kein spezifischer Zusammenhang mit betrieblichen Tätigkeiten

SIC 25

Income Taxes-Changes in the Tax Status of an Entity or

its Shareholders

Ertragsteuern – Änderungen im Steuerstatus eines

Unternehmens oder seiner Anteilseigner

SIC 29

Disclosure-Service Concession Arrangements

Dienstleistungskonzessionsvereinbarungen: Angaben

SIC 31

Revenue-Barter Transactions Involving Advertising Services

Umsatzerlöse – Tausch von Werbedienstleistungen

SIC 32

Intangible Assets-Web Site Costs

Immaterielle Vermögenswerte – Kosten von Internetseiten

IFRIC 1

Changes in Existing Decommissioning, Restoration and Similar Liabilities

Änderungen bestehender Rückstellungen für Entsorgungs-, Wiederherstellungs- und ähnliche Verpflichtungen

IFRIC 2

Members’ Shares in Co-operative Entities and Similar Instruments

Geschäftsanteile an Genossenschaften und ähnliche Instrumente

IFRIC 5

Rights to Interests arising from Decommissioning,

Restoration and Environmental Rehabilitation Funds

Rechte auf Anteile an Fonds für Entsorgung, Rekultivierung und Umweltsanierung

IFRIC 6

Liabilities arising from Participating in a Specific Market

- Waste Electrical and Electronic Equipment

Verbindlichkeiten, die sich aus einer Teilnahme an einem spezifischen Markt ergeben

Elektro- und Elektronik-Altgeräte

IFRIC 7

Approach under IAS 29 Financial Reporting in

Hyperinflationary Economies

Anwendung des Anpassungsansatzes unter IAS 29

Rechnungslegung in Hochinflationsländern

IFRIC 9

Reassessment of Embedded Derivatives

Neubeurteilung eingebetteter Derivate

IFRIC 10

Interim Financial Reporting and Impairment

Zwischenberichterstattung und Wertminderung

IFRIC 12

Service Concession Arrangements

Dienstleistungskonzessionsvereinbarungen

IFRIC 13

Customer Loyalty Programmes

Kundenbindungsprogramme

IFRIC 14

IAS 19 - The Limit on a Defined Benefit Asset, Minimum

Funding Requirements and their Interaction

IAS 19 – Die Begrenzung eines leistungsorientierten Vermögenswerts, Mindestdotierungsverpflichtungen und ihre Wechselwirkung

IFRIC 15

Agreements for the Construction of Real Estate

Verträge über die Errichtung von Immobilien

IFRIC 16

Hedges of a Net Investment in a Foreign Operation

Absicherungen einer Nettoinvestition in einen ausländischen Geschäftsbetrieb

IFRIC 17

Distributions of Non-cash Assets

Sachdividenden an Eigentümer

IFRIC 18

Transfers of Assets from Customers

Übertragungen von Vermögenswerten durch Kunden

IFRIC 19

Extinguishing Financial Liabilities with Equity Instruments

Tilgung finanzieller Verbindlichkeiten durch Eigenkapitalinstrumente

IFRIC 20

Stripping Costs in the Production Phase of a Surface Mine

Abraumbeseitigungskosten während der Produktionsphase im Tagebau

IFRIC 21

Levies

Gebühren